Sind wir eine Sekte?

Sind wir eine Sekte?

Jetzt setzt sich mal jemand richtig mit unserer Gemeinschaft auseinander. Keine Schublade, in die wir schon vor dem ersten Kontakt gesteckt werden, keine vorgefertigte Meinung, die bloß nach ihrer Bestätigung sucht. Stattdessen umfassendes, unvoreingenommenes, genaues Hinschauen. Dies erleben wir im Rahmen unserer aktuellen Zertifizierung durch die unabhängige internationale NGO namens Forum für Religionsfreiheit in Europa (FOREF).

FOREF ist eine unabhängige, säkulare zivilgesellschaftliche Organisation, die sich dem Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit und weiterer Menschenrechte im Einklang mit dem Völkerrecht widmet. FOREF wurde 2005 in Wien von Prof. Christian Brünner, ehemaliger Dekan und Rektor der Universität Graz sowie früherer Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat, gemeinsam mit Peter Zoehrer, Menschenrechtsaktivist und Journalist, gegründet. Präsident von FOREF ist Dr. Ján Figeľ, ehemaliger EU-Kommissar und früherer EU-Sonderbeauftragter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Executive Director von FOREF Deutschland ist Michael Langhans. Er ist Volljurist, Familienrechtsexperte und Menschenrechtsaktivist.

Dass nicht allein derjenige als glaubwürdig gilt, der eine Gemeinschaft verlassen hat, sondern gleichermaßen der, der weiterhin dort lebt, ist für die Arbeit von FOREF offenbar eine Selbstverständlichkeit – für uns ist es eine neue Erfahrung. Und dass nicht jede behauptete Meinung eines selbsternannten Experten über Go&Change für bare Münze genommen, sondern hinterfragt wird, ebenso: Entscheidend ist schließlich, woher das vorgegebene Fachwissen stammt. So mancher gibt sich als Sektenexperte, Kultpsychologe oder Investigativjournalist aus und macht als solcher Aussagen über uns, hat uns aber noch nie besucht oder kennen gelernt. Michael Langhans, der Executive Director von FOREF Deutschland, hat Go&Change schon viermal für jeweils zwei bis drei Tage besucht und mehrere Telefonate mit uns geführt, um sich ein eigenes Bild von uns machen. Außerdem erhält er als Volljurist einen ungetrübten Blick auf die Abläufe hinter den Kulissen, in den Gerichtsverfahren und im Austausch mit Behörden und Presse.

Ein unvoreingenommener Blick

Im Rahmen seiner Arbeit für Religions- und Weltanschauungsfreiheit überprüft, bewertet und zertifiziert FOREF auf Wunsch interessierten Gruppen und Gemeinschaften. Dazu hat es den Externen Religions- und Weltanschauungsbeauftragten ins Leben gerufen. Wie ein externer Datenschutzbeauftragter oder ein externer Jugendschutzbeauftragter sichtet und bewertet er Informationen über die jeweilige Gruppe. Wir als Go&Change haben FOREF beauftragt, uns anhand objektiver Kriterien kritisch zu prüfen und zu evaluieren. Für den Fall, dass wir die Voraussetzungen erfüllen, erteilt FOREF das Zertifikat „keine Sekte“.

Auf der Basis einer unvoreingenommenen, alle Seiten berücksichtigen Perspektive entsteht derzeit auf https://www.foref.info/entwicklungsgemeinschaft-fur-lebensqualitat-go-change/ ein neutrales Dossier über Go&Change. Dazu lassen wir uns als Gemeinschaft auf Herz und Nieren testen. FOREF erhält Zugang zu allen gewünschten Unterlagen und führt im Laufe des Zertifizierungsprozesseses mit verschiedensten Personen Gespräche – mit Mitgliedern, Ex-Mitgliedern, Gästen, Angehörigen, Freunden, Nachbarn, …

Ein Zwischenfazit im Dossier von FOREF lautet (Stand: 06.04.26)

„Die Gemeinschaft ist sich der … Vorwürfe und der Auswirkungen auf das Gemeinschaftsleben bewusst und reflektiert diese. Sie ist änderungswillig und änderungsbereit, um ihre Orientierung an Grundrechten, dem Grundgesetz und einfachgesetzlichen Regelungen noch deutlicher zu machen. … Das Sektennarrativ einer „gefährlichen Organisation“ wird auch hier bedient. … Die Vorwürfe sind meiner vorläufigen Einschätzung nach nicht zwingend systematisch, sondern personenbezogen. Persönliche Straftaten oder Fehler Einzelner sind jedenfalls nicht geeignet, das Siegel "Sekte" zu geben. … Dies wiegt umso schwerer, als dass sich erhebliche Auffälligkeiten in den amtlichen Akten finden: Da wird Rechtsprechung des EuGH (C‑724/21 und C‑454/19) ignoriert, §235 StGB angewandt, bevor es eine Entziehung der Sorge gab, ein Mensch als "Beruf: Guru" bezeichnet und laut eMail einer Amtsangehörigen Verfahren wegen "Presseberichten" eingeleitet, ohne vorher rechtliches Gehör zu geben.“

Im Zuge der Zertifizierung haben wir als erste Gemeinschaft das anonyme Hinweisgebersystem von FOREF implementiert. Damit erhalten aktuelle und ehemalige Mitglieder von Go&Change, ebenso wie Angehörige und Externe die Möglichkeit, Informationen über Verstöße gegen die Religionsfreiheit und das Neutralitätsgebot, Hinweise über Missstände in Gemeinschaften und der Presse niedrigschwellig zu melden – anonym und kostenlos. Wir haben den Link und QR-Code zum Hinweisgebersystem in unserer Gemeinschaft verteilt und ausgehängt. Er ist auch hier über unserer Website zugänglich.

Forderungen aus der Zertifizierung

Die bis heute gesammelten Erkenntnisse nimmt FOREF zur Grundlage für eine Reihe von Forderungen, die wir im Folgenden ungekürzt wiedergeben (Stand 06.04.26):

„Wir fordern daher

von den Behörden

- auf Vorverurteilungen zu verzichten
- im Zusammenhang diskriminierende Begriffe wie Guru oder Sekte nicht zu verwenden
-
faire Verfahren ohne politische Einflussnahme des Landrates sicherzustellen
-
mit Menschen zu reden statt über sie
-
nicht ohne Nachweise einer Systematik Einzelfehler auf die Gemeinschaft auszulagern

von Go&Change

- weiter transparent mit Vorwürfen umzugehen
- eigene Verhaltensweisen als Gemeinschaft und als Einzelne zu reflektieren und ohne Schuldanerkenntnis ggf. Prozess- und Selbstoptimierungen einzuleiten
-
sich als Gemeinschaft und im Rahmen der Religionsfreiheit noch deutlicher zu gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Maßstäben zu bekennen
-
weiter unser Hinweisgebersystem zu unterstützen und sich mit eventuellen Beschwerden/Hinweisen konstruktiv und lösungsorientiert auseinanderzusetzen

von der Presse

- den Begriff "Sekte" zu vermeiden, außer es wird zeitgleich der Nachweis einer systematisch kriminellen Struktur geführt
- Änderungen anzuerkennen
-
nicht nur einseitig negativ zu berichten.“

Wie es weiter geht

Am 08.03.2026 hat FOREF einen Zwischenbericht zum Stand der Zertifizierung veröffentlicht. In dem Bericht wertet FOREF die vorliegenden Unterlagen aus und nennt weitere Empfehlungen. So zum Beispiel jene, die Commitments der gemeinschaftsübergreifenden Morgenlicht-Bewegung von Sommer 2021, an die wir uns in wesentlichen Teilen bis heute gebunden fühlen, zu überarbeiten.

Wir sind glücklich darüber, dass jemand unvoreingenommen, fair und neutral auf unsere Gemeinschaft schaut. Ein ungewohntes, kostbares Gefühl. Wir kooperieren weiter mit FOREF, setzen die o. g. Forderungen und Empfehlungen um und stellen alle gewünschten Informationen zur Verfügung. Als nächste Schritte verschriftlichen wir u. a. eine „Charta“, eine Art Verfassung von Go&Change, die die o. g. Commitments weiterentwickelt und unsere Grundwerte, Entscheidungsprozesse und Strukturen beschreibt. Auch diese werden wir FOREF zur Verfügung stellen – und im Internet veröffentlichen. Wir unterstützen die Arbeit von FOREF, weil praktisch jede Gemeinschaft früher oder später unter Sektenverdacht gestellt und öffentlich drangsaliert wird. Gern helfen wir anderen Gemeinschaften, indem wir unseren Erfahrungsschatz im Umgang mit medialer Vorverurteilung und gesellschaftlichem Druck weitergeben.